„Bes de va Wöschele, da kennste och dr Düvel – Bist du aus Würselen, dann kennst du auch den Teufel“…

 Na, und du? Kennst du ihn auch, den Würselener Teufel? Wir, der Projektkurs „Geschichtsdetektive“ Klasse 7 (2020/21) haben ihn entdeckt!

Gemeinsam mit Frau Friderichs haben wir in diesem Schuljahr am Schulprogramm “denkmal aktiv“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz teilgenommen und wollten herausfinden, wo in Würselen das Mittelalter Spuren hinterlassen hat. Gar nicht so einfach, noch Sachen zu finden, die über 1000 Jahre alt sind. Manchmal muss man ganz genau hinschauen, um Hinweise auf die Vergangenheit zu entschlüsseln. Hiermit möchten wir euch ein bisschen von dem zeigen, was wir in diesem Schuljahr unternommen haben.

Den Düvel findet ihr übrigens außen am Turm der Pfarrkirche St. Sebastian. Wahrscheinlich stellt die Figur aber keinen Teufel, sondern eher einen wachsamen Löwen dar. Bereits seit 1200 Jahren blickt er böse in Richtung Aachen. So alt ist nämlich auch schon der Turm der Kirche! Da Turm und Kirche mehrfach erweitert wurden, ist die Originalfigur heute ziemlich versteckt im Inneren des Turms, außen sieht man eine Nachbildung. Schau mal, ob du sie entdeckst, wenn du beim nächsten Mal an St. Sebastian vorbeikommst!

Dass der Turm von Sankt Sebastian sehr viel älter ist als die restlichen Gebäudeteile, sieht man auch an den unterschiedlichen Baustilen. Das haben wir versucht, auf unseren Gemälden der Kirche zu zeigen.

 

Auf der hinteren Seite des Turmes haben wir auch noch eine uralte Sonnenuhr und Grabkreuze aus dem vorvorletzten Jahrhundert entdeckt. Und noch etwas haben wir herausgefunden. Wir haben uns gewundert, warum überall in den Steinen des Kirchenschiffs  so viele kleine Löcher  zu sehen sind. Das sind Spuren des 2. Weltkriegs, denn mitten in Würselen fanden heftige Kämpfe zwischen deutschen und amerikanischen Soldaten statt und die Kirche hat einiges abbekommen.

Ist es nicht beeindruckend, wie viel aus längst vergangen Zeiten so ein Gebäude berichten kann, wenn man genau hinschaut?

Eine weitere Spur, die uns in die Vergangenheit geführt hat, sind Straßennamen. Wusstest du etwa, dass die Bezeichnung des Würselener „Kaninsberg“ nichts mit Kaninchen zu tun hat, sondern sich über hunderte Jahre aus dem Wort „Königsberg“ entwickelt hat? Und warum ein Königsberg? Wir haben die Erklärung!  Früher, zu einer Zeit, als es kaum Straßen gab, führte eine ganz besondere, gut ausgebaute Straße von Frankfurt über Broichweiden, Würselen, Haaren bergab bis nach Aachen. Alle mittelalterlichen deutschen Könige sind damals mitsamt ihrem Gefolge durch Würselen geritten, denn sie wurden in Frankfurt gewählt und anschließend in Aachen gekrönt.

Verraten hat uns das Herr Breuer vom Würselener Geschichtsverein. Den hatten wir uns als Experten eingeladen und er konnte uns genau beschreiben, wo dieser Königsweg, lateinisch via regia, früher verlief. Anschließend haben wir das selbst  erkundet. Heute ist die Strecke modern bebaut oder verläuft als Feldweg durch die Natur. Aber wir haben überall weitere Hinweise auf die Vergangenheit entdeckt: etliche alte Häuser (kein Mittelalter, aber immerhin fast 200 Jahre), Wegkreuze und andere Wegmarkierungen. Zum Beispiel die blauen Aufkleber mit der angedeuteten  Pilgermuschel. Sie  sind ein Hinweis darauf, dass der Königsweg gleichzeitig auch Teil einer weltberühmten Pilgerstrecke ist, dem Jakobsweg, der über Aachen bis nach Nordspanien führt.  Das war übrigens Anlass, uns mit einem weiteren denkmalgeschützten Gebäude, dem weltberühmten Aachener Dom, seiner Baugeschichte und seinen Heiligtümern zu beschäftigen.

Und dann gab es noch einen interessanten Straßennamen in Würselen, der unsere Neugier geweckt hat. Der Name des Neubaugebiets „Kapellenfeldchen“ an der Strecke der via regia deutet an, dass ganz in der Nähe früher einmal eine Kapelle war. Und tatsächlich, an dieser Stelle hat vor 700 Jahren der Einsiedler Salmanus in einer Kapelle gelebt. Er war so fromm, dass er in Würselen als Heiliger angebetet wurde, einige seiner Knochen werden bis heute in der Pfarrkirche St Sebastian ausgestellt und verehrt.

Auch das Wegkreuz im Feld zwischen Aquana und Broichweiden erinnert an eine kleine Kapelle, die hier früher stand.

Bevor Corona unsere weiteren Planungen durchkreuzt hat, hatten wir auch noch Besuch von einer Buchbinderin. Mit traditionellen Werkzeugen haben wir selber kleine Bücher gebunden, ganz wie im Mittelalter. Nur wurde früher für die Seiten kein Papier, sondern Pergament genommen. Das ist getrocknete Tierhaut. Weil für ein einziges Buch früher mindestens 5 Ziegen geschlachtet werden musste, waren Bücher früher so teuer!

Schade, dass alle weiteren Exkursionen und Unternehmungen im zweiten Halbjahr durch die Pandemie gestoppt wurden. Es hat nämlich viel Spaß gemacht, die Spuren aus der Vergangenheit unserer Heimat einmal genauer unter die Lupe zu nehmen!

A. Friderichs

„Geschichtsdetektive auf mittelalterlichen Spuren“